Über die Malerei

About the paintings

 

In der Malerei von Guido Zimmermann dreht sich alles um Dynamik und Korrelation. Dabei Werden immer wieder neue Themen aufgegriffen und seriell verarbeitet. Figurative Malerei wird abstrahiert und mit grafischen Elementen ergänzt... Mehr Lesen

In Guido Zimmermann's paintings, everything revolves around dynamics and correlation. In doing so, new topics are repeat-edly taken up and processed serially. Figurative painting is abstracted and complemented with graphic elements... Read more

In der Malerei von Guido Zimmermann dreht sich alles um Dynamik und Auseinandersetzung. Dabei Werden immer wieder neue Themen aufgegriffen und seriell verarbeitet. Figurative Malerei wird abstrahiert und mit grafischen Elementen ergänzt... Mehr Lesen

In Guido Zimmermann's paintings, everything revolves around dynamics and confrontation. In doing so, new topics are repeat-edly taken up and processed serially. Figurative painting is abstracted and complemented with graphic elements... Read more

Cuckoo Block

Sculptures

 

In der Malerei von Guido Zimmermann dreht sich alles um Dynamik und Auseinandersetzung. Dabei Werden immer wieder neue Themen aufgegriffen und seriell verarbeitet. Figurative Malerei wird abstrahiert und mit grafischen Elementen ergänzt... Mehr Lesen

In Guido Zimmermann's paintings, everything revolves around dynamics and confrontation. In doing so, new topics are repeat-edly taken up and processed serially. Figurative painting is abstracted and complemented with graphic elements... Read more

Wandgemälde

Murals

 

 

Über die Malerei

About the paintings

 

Cuckoo Block

Sculptures

Die dünne Fassade der Macht

 

Zur Gemäldeserie "Korrelation" (2014) von Guido Zimmermann

 

Jeder kennt diese Bilder. Sie werden nicht unbedingt in den Acht-Uhr-Nachrichten ausgestrahlt, aber auf Online-Seiten sorgen sie immer wieder für Unterhaltung bei gleichzeitiger Fassungslosigkeit. Man sieht Politiker, die sich plötzlich in den Armen liegen. Nicht aus Freude, sondern weil die Debatte im Parlament eskaliert und auf einmal die Fäuste fliegen.

 

Guido Zimmermann ist es zu verdanken, diese unübersichtlichen Situationen in Bilder voller Energie und Dynamik zu bannen. Ihnen merkt man die blinde Wut an, mit der die Berufspolitiker und Hobbyboxer übereinander herfallen. Der Künstler wählt zwar meist in die Breite gehende, große Formate, stellt jedoch nur kleine Ausschnitte der viel umfangreicheren Schlägereien dar. Die Körper erscheinen als verdrehte Torsi, was die Heftigkeit solcher Exzesse unterstreicht. Als Quelle dienen Zimmermann Filme und Fotografien. Aber er kopiert diese nicht einfach. Sein flirrender Umgang mit Pinsel und Sprühdose erlaubt ihm eine eigene Bildsprache zu entwickeln, die sogar abstrakte Züge annehmen kann. Viele Details werden ausgespart, wodurch die dramatische Wirkung der Bilder noch verstärkt wird.

 

Auf einigen Bildern sind die Gesichter feuerrot gemalt. Sie heben die buchstäblich hitzige Debatte hervor, kündigen aber auch das Blut an, das bei solchen Raufereien für gewöhnlich fließt. Dem Künstler ist dabei weniger an einer möglichst wirklichkeitstreuen Wiedergabe gelegen. Vielmehr spiegeln die Gesichtsfarben die kampfeslustige Stimmung wider, in der sich die Dargestellten befinden. So gesehen kann hier eine Parallele zu den expressionistischen Bildern eines Edvard Munch oder Ernst-Ludwig Kirchner gesehen werden, die mit ihrer Farbwahl sehr frei umgingen, um die Emotionalität einer Person oder Situation hervorzuheben. 

 

Was die Malweise anbetrifft, so sind die Arbeiten stark von Schraffierungen geprägt. Zimmermann imitiert hier mit dem Pinsel die flinken Bewegungen der Kämpfenden. Diese vibrierende Linienführung verweist auch auf seine langjährige Erfahrung in der Graffitiszene, wo sie als "Schraffo" bezeichnet wird. Diese Technik kommt vor allem beim schraffierten Innenleben von schnell gesprühten Buchstaben zum Einsatz. 

 

Die Serie "Korrelation" (Wechselbeziehung) lässt natürlich auch an Schlachtengemälde denken, die sich vor allem im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten. Die meist großformatigen Werke sorgen durch die farbenfrohen Uniformen und die blitzenden Harnische für eine dramatische Bildwirkung.

Stellt man diese Bilder in einen Bezug zu Zimmermanns Werken, fällt einem unsere veränderte Rezeptionsweise auf. Zwar haben seine Gemälde nichts von der Dramatik des Themas eingebüßt, aber in "guter Erinnerung" wird man die Gewaltausbrüche einzelner Politiker sicher nicht behalten. Allerdings ist es Zimmermann neben der Demaskierung der Macht auch gelungen, unsere Vorstellungen vom Schlachtengemälde als Topos zu erweitern.

 

"Korrelation" ist aber nicht ausschließlich politisch zu verstehen. Dem Künstler geht es auch um die Wechselbeziehung zwischen Form und Farbe, zwischen zwei Figuren, die aufeinandertreffen oder um die Wechselbeziehung zwischen Tier und Mensch.

 

 Zimmermanns Serie beschränkt sich nicht auf die Leinwand. Sie besteht auch aus bemalten Holzskulpturen oder einer interaktiven Malerei in Räumen, die mit speziellen Lampen ausgestattet sind und den Bildern Leben verleihen. Für den Künstler besteht der Reiz gerade darin, Malerei an Orten stattfinden zu lassen, wo man sie nicht erwarten würde.

 

 

Text: Daniel Schierke, Galerie Rundgaenger

 

 

 

 

 

 

 

The Thin Façade of Power / The Tenuous Face of Power

 

On the painting series “Correlation” (2014) by Guido Zimmermann

 

Everybody is familiar with these images. While they might not be broadcast on the Ten O’clock News, they make for both entertainment and bewilderment online. We see politicians that suddenly lie in each other’s arms. But not out of joy, the debate in parliament has escalated into a full-on fistfight.

 

Thanks to Guido Zimmermann these confusing situations have been captured in energetic and dynamic pictures. You get a sense for the blind rage these career politicians and amateur boxers experience as they are on top of each other. While the artist generally chooses broad, big formats, he only depicts a small section of a far more extensive rumble. The bodies appear as twisted torsos that further enhance the intensity of such excesses. At the source of Zimmermann’s creations are films and photographs. Yet he does not merely copy them. The buzzing handling of his brush and spray can allows him to develop his own visual language that may even contain abstract elements. Many details have been omitted which further amplifies the images’ dramatic effect.

 

In some pictures the faces have been painted bright red. They accentuate the heated debate quite literally, but also herald the blood that often flows during such brawls. The artist is less concerned with a realistic rendering. Rather, the complexion reflects the combative atmosphere of the pictured subject. You might therefore draw a parallel to expressionists Edvard Munch or Ernst-Ludwig Kirchner whose progressive choice in colour accentuated the emotionality of a person or situation.

 

Concerning the painting style, the works are strongly shaped by the method of hatching. Zimmermann imitates the fighters’ brisk movements with his brush. This vibrating light also references his long standing experience in the graffiti scene, where it is known as a “schraffo”, a term derived from the German word for hatching (“schraffieren”). This technique is often employed when shading in sprayed letters in a quick manner.

 

The series “Correlation” also bring battle scene paintings to mind that have been particularly popular during the 19th century. These usually large-sized creations that show colourful uniforms and shining armours make for a dramatic effect. If you put these paintings into context with Zimmermann’s works, it becomes apparent that our current perception has changed. Although his paintings have not lost any of the drama of the issue, you are not likely to remember the politicians’ eruptions of violence in any positive way. However, Zimmermann manages to not only unmask political power, but also to expand our ideas of the battle scene painting as a topos.

 

However, “Correlation” should not only be understood in a political context. The artist is also concerned with the correlation between form and colour, two clashing subjects or between humans and animals. Zimmermann’s series is not limited to the canvas. It is also comprised of painted wooden sculptures and an interactive painting in rooms that have been fitted with special lamps and thus bring the paintings to life. For the artist, the appeal is in making painting happen in places where you would least expect it.

 

 

Text: Daniel Schierke gallery Rundgaenger,

Translation: Dora Mentzel

 

 

 

 

„Cuckoo Blocks“ sind Zimmermanns Antwort auf die traditionellen Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald. Sie zeigen eine zeitgemäße Sicht auf das urbane Wohnen und auf interessante Architektur. Die Hülle ist neu, aber die Seele, ein Uhrwerk mit Kuckuck, ist noch die alte.

Zwei Aspekte haben hier eine besondere Bedeutung: Gebäude mit einer auffälligen Geschichte und architektonischem Wert, sowie das Wohnen in sozialen Brennpunkten. Beide haben eine Verbindung über die blockige, massive Bauart aus Beton.

 

Die klassische Kuckucksuhr steht für den Wohlstand der Mittelschicht und zählt als eine Art Luxusgut für das biedere Heim. Die aktualisierte Version als Plattenbau zeigt das heutige urbane und soziale Leben in Wohnblocks. 

 

Der zweite Aspekt der „Cuckoo Blocks“ ist nicht weniger interessant. Zum Beispiel das „Glenkerry House“ von Ernő Goldfinger, gebaut im auffälligen Stil des Brutalismus, war einst Unterkunft für den Durchschnittsbürger. Heute bietet es das „hippe“ und kaum bezahlbare Wohnen in London.

Das Hotel „La Flaine“ vom Bauhausarchitekten Marcel Breuer, zeigt eine schöne Architektur, ist aber eine Bausünde, da diese riesige Hotelanlage mitten in den französischen Alpen steht...

 

Die Serie der Kuckucksuhren hat Zimmermann mit den Nistkästen für heimische Singvögel erweitert. Der Prototyp, das Modell eines Sozialbaus aus Catania/ Sizilien, wurde zügig von einem Meisenpaar bewohnt. Die drei normalen Nistkästen nebenan blieben hingegen unbewohnt. Vielleicht waren es die kleinen Sat-Schüsseln, die die Vögel vom „Sozialmeisenbau“ überzeugt haben.

"Cuckoo Blocks" are Zimmermann’s answer to the traditional cuckoo clocks from the Black Forest in Germany. They present a contemporary view of urban living and compelling architecture. The hull is new, but the soul, a clockwork with a cuckoo, is still an old one.

 

Two aspects have a special significance here: buildings with a striking history and architectural value, as well as living in social flashpoints. Both are connected to the blocky, massive concrete construction.

 

The classic cuckoo clock is a symbol for prosperity in the middle class and is considered a kind of luxury for the home. The updated version, a prefabricated panel construction (“plattenbau”), reveals today's urban and social life in residential blocks.

 

The second aspect of "Cuckoo Blocks" is no less interesting. For example, the "Glenkerry House" by Ernő Goldfinger, built in the striking style of brutalism, was once accommodation for average citizens. Today it offers "hip" and hardly affordable living in London.

 

The hotel "La Flaine" by Bauhaus architect Marcel Breuer, is a beautiful architectural example, but is an eyesore as this huge hotel complex is located in the middle of the French Alps.

 

The cuckoo clock series has been extended by Zimmermann with birdhouses for native songbirds. The prototype, a model of a social housing building from Catania/Sicily, was quickly inhabited by a pair of titmice. The three nondescript birdhouses next door remained uninhabited. Perhaps it was the small satellite dishes which convinced the birds of the “social bird housing”.

 

Wandgemälde

Murals

Das Bemalen von Hauswänden gehört zu Guido Zimmermanns bevorzugten Ausdrucksformen —

je größer und öffentlicher, desto besser.

Aus der Intention möglichst viele Betrachter am Kunstwerk teilhaben zu lassen ist Zimmermanns Motto entstanden: “das Museum auf die Straße bringen”

The painting of walls is one of Guido Zimmermann's favourite forms of expression — the more gigantic and public, the better.

With the intention to engage as many spectators as possible Zimmermann's motto has evolved, “to bring the museum to the streets”.